Ironman Florida - Ruth Keller

Ironman Florida - 1 November 2008

Wow - war das ein Erlebnis! Aber der Reihe nach. Die Idee, mal einen tollen Wettkampf woanders auf der Welt zu machen, ist schon im letzten Jahr entstanden. Und Florida bot sich vom Termin, vom Wetter (endlich mal einen Sonnenwettkampf) und von der Entfernung her an.

Die Saison begann eigentlich schon im November vergangenen Jahres, denn auf dem Plan für 2008 stand zunächst der Quelle Challenge im Juli. Das war dann auch das erste Highlight in diesem Jahr. Trotz stundenlangem, strömenden Regen und 13 Grad Außentemperatur konnte ich meine Vorjahreszeit um eine halbe Stunde verbessern. Mit dem Gefühl, ja, das habe ich schon geschafft, begannen die Vorbereitungen für Florida fast unmittelbar danach.

Die Zeit bis Ende Oktober zog sich dann ganz schön hin. Vor allem das Wetter war ja im Sommer nicht immer der Hit. Ich erinnere mich nur zu gut an 'Rad am Ring', wo ich nur mit der Motivation #Florida" die lange Strecke in Regen und Kälte durchfahren konnte.

Im September setzte dann die Kälte ein und so manche lange Radeinheit musste ich im Winter-Outfit fahren. Mein Körper hatte auch erste Ausfallerscheinungen, so plagte mich seit August schon eine anfangs nur latente Archillessehnenreizung. Je näher es dem Wettkampf entgegen ging, desto schmerzvoller wurde diese leider auch noch. Dann noch Anfang Oktober die erste Grippewelle erwischt - meine Gefühle wechselten stündlich von großer Vorfreude zu großer Angst. Das bekamen auch meine beiden Männer zu spüren, eigentlich war ich gar nicht mehr ansprechbar. Am 25. Oktober ging's endlich los - Florida wir kommen! Die Reise war endlos, morgens mit dem Auto nach Frankfurt mit fast 2 Std Verspätung 8 Std Flug nach Washington - ewig langes Warten an der Immigration Line - Weiterflug nach Tampa und dann noch 6 Std im Bus weiter nach Panama City Beach.

Sonntags morgens um 4 Uhr waren wir dann endlich in unserem Appartement, nahe dem Ironman Geschehen und direkt am Strand gelegen, angekommen. Die Aussicht auf den schneeweißen Strand, das blaue Meer und den sonnigen Himmel entschädigte uns für die lange Anfahrt.

Am ersten Tag waren wir mit Akklimatisierung und Orientierung beschäftigt, vor allem mit dem ersten Besuch am Strand! Mein Rad war mit 40 anderen Rädern nicht in Tampa angekommen und wurde erst Sonntagnacht vom Hannes (Hannes Hawaii Tours) nach Panama City Beach gebracht. So konnte ich am Montagmorgen in aller Früh meinen Radkoffer entgegennehmen, glücklicherweise, denn darin befand sich nicht nur mein Rad sondern meine komplette Sportausrüstung.

Am Montag war dann ein leichter Lauf auf der Originalstrecke angesagt und natürlich das tägliche Schwimmen im Meer. Zwischenzeitlich hatte der Wind zugelegt und das Meer glich eher der Nordsee - zum Surfen sicher gut geeignet. Wider Erwarten hat mir das Schwimmen im welligen Meer richtig Spaß gemacht, nur die Strömung war heftig und mit der Orientierung im Meer war's auch schwer. Wo sind dann nur die anderen Schwimmer? Ab Dienstag habe ich mich dem Early Morning Swim um 7.30 Uhr angeschlossen.

Täglich reisten mehr Triathleten an und morgens in der Früh war dann schon die Hölle am Strand los. Am Dienstag bin ich dann mit ca. 50 anderen Triathleten auf einem Stück der Original Radstrecke gefahren. Alles perfekt organisiert von Hannes Hawaii Tours. Mittwoch und Donnerstag bin ich nur noch geschwommen, denn für den Wettkampftag am Samstag wollte ich ja fit sein.

Ab Mittwoch war dann auch schon die Athletenregistrierung und die Ironman Messe geöffnet. Ich sag nur: alles anders als in Deutschland. Schlangestehen scheint eins der großen Hobbies der Amis zu sein, meine Güte, alleine um meine Startunterlagen komplett zu haben, musste ich in 4 verschiedenen Schlangen anstehen. Aber auch das war geschafft, so wurde es langsam real, der große Tag kommt näher. Am Mittwoch nachmittag haben wir den legendären Hannes Bootstrip mitgemacht, eine Bootsfahrt nach Shell Island mit Dolphin Watching. So haben wir tatsächlich auf der Rückfahrt die Delphine ganz nahe am Schiff gesehen - vor allem für Paul ein Highlight.

Donnerstagabend Carbon Load Party - enttäuschend gemessen an deutschen Pastaparties. Und die amerikanische Einstimmung auf den Wettkampf für uns sicherlich gewöhnungsbefürftig - es ist ja jeder ein Held. Nach dem Absingen der Nationalhymne die Ehrungen: Geehrt wurde der jüngste und der älteste Teilnehmer, derjenige, der in der Vorbereitung am meisten abgenommen hatte, diejenigen, die schon mehr als 40 Ironman gemacht haben und und und. Und zum Schluß die #You are an Ironman" - Beschwörung. Bald die Hälfte der 2500 Starter waren Rookies. In Summe waren 68 deutsche Teilnehmer/innen am Start. Auch die Wettkampfbesprechung war interessant, weil es in USA etwas andere Regeln gibt als in D.

Am Freitag war das Einschecken der Räder und der Klamottenbeutel in die Transition Area - relaxed wie die Amis halt so sind. Hauptsache, Du hast überhaupt ein Rad dabei, weder Rad noch Helm wurden geprüft, wie hier schon bei jedem Wald- und Wiesentriathlon. Das Deponieren der Rad- und Laufbeutel ist schon wichtig, vor allem Merken wo, denn 2500 Starter haben die gleichen Beutel. Sich auch den Platz des Rades zu merken, kann ganz hilfreich sein. Geschafft - nun kann es endlich losgehen. Meine Stimmung war pure Aufregung, vor allem in der Magengegend.

Am Samstag - Race Day endlich! Um 4 Uhr aufgestanden - die Schlafqualität war nicht die beste aber wer kennt das nicht - um 5 Uhr zum Ironman Start aufgebrochen. Special Need for Run-Beutel deponiert, Oberarm- und Beinbeschriftung abgeholt, Einchecken in die Transition Area, Radscheck und Beutelscheck. Alles klar, jetzt zum Strand. Rein in den Neo, den letzten Powerbar runtergewürgt und ab in den Starterbereich. Jetzt war ich völlig entspannt - es gab keinen Weg zurück mehr. Pünktlich um 7 Uhr und natürlich nach dem Absingen der Nationalhymne endlich der Startschuß!

2500 Starter stürzten sich gleichzeitig in die Fluten - ich mittendrin. Und das meine ich auch so, es ging gar nichts, ich war eine Runde komplett eingeklemmt. Vor mir, neben mir, über mir, unter mir, ein Gewimmel, Hauen, Ziehen, Treten - unglaublich. Dann die erste Runde vorbei, ab auf den Strand, über die Matte und in die zweite Runde. Hier hat es sich etwas entspannt, aber eng blieb's trotzdem. 1:12 die gleiche Zeit wie in Roth. Platz 936 und 32 in der Altersklasse. Eines muss man den Amis ja lassen, im Schwimmen sind sie richtig schnell.

Raus aus dem Wasser, runter mit dem Neo - toll, der wird von Helfern ausgezogen - durch die Süßwasserdusche und zum Wechselzelt, mit dem Radbeutel natürlich. Umziehen, vor allem das Anziehen der Cep Socken kosteten mich relativ viel Zeit. Endlich auf's Rad. Ich glaube, auf den ersten 10 km hatte ich bereits die ersten 100 Teilnehmer überholt. Super Räder, aber ich glaube, viele wissen gar nicht, dass man auf dem Aufsatz auch fahren kann. So ging es die ganze Radstrecke - Peter hat nachgeschaut, ich habe auf der Radstrecke 576 andere überholt.





Bei 2500 Teilnehmern mehr oder weniger gleichzeitig auf der Strecke wird's auf jeden Fall nicht langweilig. Aber die Radstrecke war meine Strecke - kein Berg und keine Abfahrt, nur 12 Kurven auf 180 km, keine Kreisverkehre, keine Ortsdurchfahrten - nur auf dem Lenker liegen und 180 km drücken. Jaaa!

Der Wind war teilweise etwas lästig aber ansonsten, genau mein Ding. So ging das Radfahren auch schnell vorbei 5:16 für 184,6km - die Strecke war etwas länger, aber das hatten wir vorher schon vernommen. Platz 360 und 4 in der Altersklasse. Nur 22 von 634 Frauen waren schneller davon 8 Profis. Sogar einige (5) Pro's war langsamer :-)

Nun lagen #nur noch 42km Laufen" vor mir. Die Laufstrecke sind 2 Runden mit einem Wendepunkt. Ich konnte es mir also in 4 Happen einteilen. Eine flache Strecke, super Stimmung auf der Strecke, aber es zog sich ganz schön. An den Verpflegungsstationen gab es Getränke mit Eis! Für meinen sowie schon angeschlagenen Magen das Letzte. Die letzten 10 km gingen dann wieder etwas flotter, trotz heftig schmerzender Blasen an beiden Füßen.

Zieleinlauf mit meinem Sohn yeaaaaah - mein persönliches Traumziel erreicht - unter 11 Stunden: 10:59:54 was für ein Timing. Platz 530 und 11. in der Altersklasse.

Wow - was für ein Ereignis. Ich war und bin superglücklich. Davon kann ich noch meinen Enkeln berichten # und was mache ich als nächstes? Vielleicht Ironman Canada oder doch mal Frankfurt.?

Langsam nähere ich mich der Hawaii Quali - vielleicht reicht's doch mal irgendwann für den großen Traum eines jeden Triathleten.

Einmal ins Mekka reisen!!!

Doch jetzt ist erst mal die verdiente Winterpause angesagt.

Eure Ruth