Thorsten, you are an Ironman

von Thorsten Eckert

"Thorsten, you are an Ironman", das rief mir Mike Reilley um genau 16:47h zu, nachdem ich die letzten Meter auf den Ali'i Drive in Richtung Zielkanal gelaufen bin und die Ziellinie überquert habe. Jetzt bin ich ein echter "Ironman"!

Um 3:45h hat der Wecker geläutet und es hieß aufstehen, ich war sogar einiger­maßen ausgeschlafen. Mit dem Shuttle ging es dann um 4:20h ab zum Pier. Nach dem Body-Marking habe ich mich noch von Denise verabschiedet und bin in die Wechselzone.

Um die Zeit zu vertreiben, habe ich mich dann noch in der Nähe des Schwimm­ein­stiegs hingesetzt / hingelegt und bin x-fach fotografiert worden. Auch das ZDF kam an und hat mich (und den Krelli) noch kurz interviewt. Gegen 6:40h habe ich dann meinen Schwimmanzug angezogen und bin ins Wasser. Der Start der Profis wurde mit Nationalhymne, gesungen von einem Hawaianer - fürchterlich - eingeleitet. Ich konnte mich zum Glück an einem Brett festhalten, ehe es dann um 7h auch für uns los ging.

Aber ich sag's euch, das war echt die Hölle. Ich habe mich beim Schwimmen eher weiter links und auch nicht zu weit vorne platziert, aber das war ein Geprügel von Anfang an. Schwimmschatten war erst mal gar nicht, irgendwann war ich dann rechts von den Bojen, ich muss also so quer rübergeschwommen sein. Die Wellen wurden weiter außen auch größer und ich merkte schon vor dem Wendepunkt, dass sich mein Nacken aufscheuert. Auf dem Rückweg hatte ich dann einen Schwimm­schatten, der mir zwar etwas zu langsam war bzw. ich hätte schneller schwimmen können, aber ich dachte mir, was soll's, die paar Sekunden oder Minuten. Aber das Härteste waren die letzten 200m parallel zum Pier, so ein Geschlage und Gedränge, unglaublich... aber nach 1:08:56 war die erste Hölle vorbei...

Dann kam auch gleich das erste Malheur, mein Bike-Bag war weg, ich hätte fast die Krise bekommen; ich schrie meine Nummer und das mein Beutel weg ist, aber das interessiert natürlich niemanden; irgendwann sah ich dann einen Volunteer mit den Beutel in der Hand direkt neben mir stehen, glaubst die hätte was gesagt... egal.

Ich bin zurückhaltend losgefahren, aber schon nach 800m hat sich bei einer Boden­welle mein neu erworbenes Trinkflaschennetz (dieses gelbe Teil) davon gemacht, auch egal dachte ich mir, immer locker bleiben. An der ersten Zeitnahme war bei mir kein Piepsen zu hören, super mein Zeit-Chip war weg; ich voller Panik (no Chip, no time) wusste nicht was ich tun soll, aber eine andere Radfahrerin meinte nur, ich soll einfach weiterfahren. Auf der Strecke habe ich dann versucht so Wettkampfordner zu fragen, aber die wussten auch nichts, erst der Dritte meinte dann, ich soll mir beim 2.Wechsel einen neuen geben lassen, aber ganz geheuer war mir das nicht. Wie auch immer, auf dem Rad lief es zunächst ganz gut, viel Rückenwind, aber ich habe mich doch überholen lassen und bin mein Tempo gefahren.

Ab KM65 etwa, ab da geht es dann Richtung Hawi, hat der Mumuku voll zugeschlagen. Ich habe noch nie solch starke Winde erlebt. Es geht immer leicht, zum Teil auch etwas steiler, bergauf und brutaler Wind von schräg vorne, sodass es mir häufig der Lenker so dermaßen verrissen hat, dass ich echt von links bis zur Straßenmitte geweht wurde; wie da manche mit einem 1080-Laufrad von Zipp fahren können...

Endlich der Wendpunkt in Hawi, ab da geht es dann rund 25km mit Rückenwind bergab und der Schnitt lag locker bei 37 oder 38 und ich dachte, dass ich locker unter 5h fahren würde, sogar eher 4:50h.

Bei KM110 etwa hatte ich es dann doch geschafft, mich etwas von der Gruppe um mich herum abzusetzen und es lief recht gut, ich wollte auf das kleinste Ritzel schalten, als die Kette über das Ritzel hinaus sprang und sich zwischen Rahmen und Kassette verklemmte, da ging gar nichts mehr, keine Treten war mehr möglich. Ich sah nicht nur meine gute Zeit, sondern auch das Finish sich in Luft auflösen. Ich musste anhalten und habe versucht mit hoch- und runterschalten, drücken, kurbeln etc. das wieder in Gang zu bringen. Durch Zurückdrehen des Hinterrads sprang die Kette wieder auf und ich konnte weiter fahren, allerdings hat ab da die Schaltung nicht mehr 100% funktioniert. Egal, das schlimmste Teilstück kam dann erst, wieder auf der Straße nach Kona, nur noch Gegenwind oder von schräg vorne, selbst leicht bergab ging nicht mehr als 25 oder so, das war echt die Hölle. Mir fingen an die Füße zu schmerzten, man musste immer drücken, echt übel. Aber dennoch konnte ich genau da Plätze gut machen, denn die anderen Athleten hatten sich vorher anscheinend doch etwas übernommen und brachen auf den rund 30km eher ein. Der Schnitt sank immer weiter; nur die letzten 15km war es wieder besser. Nach 5:14h war dann die zweite Hölle abgehakt...

Als ich in die Wechselzone kam, wurde mir das Rad abgenommen und ich fragte gleich nach einem Chip. Da hatte natürlich keiner eine Ahnung und einer schickte mich sogar in die Penalty-Box, die auch nichts wussten. Na ja, ich lief dann erst mal quer durch die Wechselzone zu meinen Beutel und wollte die Schuhe anziehen als ich dort einen Chip fand. Zunächst dachte ich, dass ich wohl beim Ausziehen meines Schwimmanzuges den Chip mit runtergerissen und zufällig mit in den Beutel getan habe. Ich bin dann zufrieden losgelaufen. Erst viel später kam mir, dass es ja ein anderer Beutel war, in dem der Chip lag. Anscheinend hat der Wettkampfrichter Bescheid gegeben und die haben mir einen Chip in den Beutel gelegt, haben mir aber leider nur nichts gesagt# Ich ging nach 6:29h auf die Laufstrecke, das hieß ein lockeres 5er-Tempo und ich bringe das Teil in unter 10h nach Hause. Dementsprechend bin ich auch los gekrochen, auch da habe ich viele an mir vorbeiziehen lassen, aber der Puls war sofort hoch und ging auch nicht mehr runter. Die rund 16km unten am Ali'i-Drive sind mit der Sauna vergleichbar, da stand die Luft. Dann musste man die Palani-Road hochklettern und rund 10km auf dem Highway in Richtung Energy Lab laufen. Mein Ziel war jede Meile unter 8min zu laufen, was automatisch zur Sub10 führte, aber ich habe es nicht 100% darauf angelegt, ich wollte sauber durchlaufen. Auf dem Highway kamen uns dann auch die Führenden entgegen, aber von den Deutschen war leider nichts zu sehen.

Bis zum Energy Lab geht es immer leicht hoch, dann wieder leicht runter, dann irgendwann endlich links rein in den Hexenkessel. Die hatten da Thermometer aufgestellt, 42°!!!!!!

Auf den Rückweg dann wieder in Richtung Kona habe ich versucht mein Tempo einigermaßen zu halten, aber die Füße haben immer mehr geschmerzt, Krämpfe haben sich angebahnt... so schleppt man sich von Kilometer zu Kilometer bzw. von Meile zu Meile, immer unter 8min... und viele, die vorher zu schnell losgelaufen sind, trifft man dann wieder gehenderweise. Dann endlich hoch nach Kona (meine einzige Meile über 8min, da Verpflegungsstelle und berghoch), rechts die Palani-Road runter, noch die Meile einen kleinen Bogen, runter zum Ali'i und noch ca. 700m bis zum Ziel; mit jedem Schritt die Erfüllung eines Traumen näher, der Zielkanal, die Leute feuern dich an (ein paar Idioten müssen einen noch überholen), die Ziellinie... "You are an Ironman". Die dritte Hölle in 3:18h...

Im Ziel wird man dann zum Verpflegungsbereich geführt, wo dann auch schon Denise auf mich wartete. Überglücklich konnte ich mir mein Finisher-Shirt und meine Medaille abholen, Finisher-Fotos machen, mich massieren lassen und einfach dieses Event genießen.

Später sind wir dann zurück ins Hotel, dort habe ich geduscht, was gegessen und wieder zurück zur Finishline-Party gefahren. Auf der Fahrt haben uns Einheimische mit einem Truck mitgenommen. Peter und Denise saßen hinten auf der Ladefläche, war echt klasse. Dort haben wir auch Werner Bruns getroffen, haben uns mit Pizza versorgt und die letzten Finisher angefeuert. Um 24h ging es dann zurück ins Hotel.

Der Meister Krelli kam mit 10:13h auch super durch.

So, jetzt ist "off-season"... oder wie ein Ami zu mir meinte "time to get fat!" :-) Mahalo an alle!!!!!!!!!

Euer Thorsten