Bericht vom IRONMAN Florida 2007

von Thorsten Eckert

Aloha,

unglaublich, aber ich habe mir die Qualifikation am 3.November in Florida geholt, ich fliege nächstes Jahr im Oktober zu den Triathlon World Championship nach Kailua-Kona, Hawaii; ich werde mit den Größen wie Stadler, Al Sultan, McCormack, Dave Scott an den Start gehen, der Wahnsinn

Noch zu Beginn der Woche waren die ersten Eindrücke doch sehr ernüchternd, das Schwimmen im Meer ging kaum, es wehte ein ganz übler Wind, die Radstrecke ist über 4km länger, sodass sich die Referenzzeiten aus den letzten Jahr relativierten; dazu noch die ganzen Sprüchen der anderen Hannes-Reisenden, ich hatte gewichtsmäßig zugelegt und die vorletzte Woche hatte mich noch eine kleine Grippe geplagt Aber im Verlauf der Woche wurde alles etwas besser, und am race-day hatten wir doch recht gute Bedingungen, ich fühlte mich gut, morgens kaum Wind, angenehme Temperaturen, tagsüber etwa 25°, für Floridaverhältnisse nur leicht windig und Sonne.

Nach dem Startschuss entzerrte sich Feld ganz ordentlich, klar, ein paar Schläge bekommt man immer ab, aber im Vergleich zu Frankfurt ging das. Nur im Bereich der Wendebojen und am Ausstieg wurde es wieder enger. Wir hatten Strömung von rechts, was ich allerdings erst spät merkte, weil irgendwann die Bojen rechts von mir waren, obwohl ich links von ihnen gestartet bin, das hieß aber auch, dass hin und wieder einer einfach quer über einen drüber geschwommen ist, aber beide der Meinung waren, in die richtige Richtung zu schwimmen. Na ja, nach 1:02h waren die beiden Runden und somit das Schlimmste überstanden J. Es gibt Neo-Strippers, die einem aus den Neo helfen, ganz witzig. Dennoch war mein erster Wechsel im Vergleich zu den anderen extrem langsam, da ich mir in Ruhe die Füße gesäubert und in aller Ruhe meine Trombose-Socken angezogen hatte.

Als ich losfahren wollte, merke ich, dass mein Tacho nicht funktioniert. Anscheinend hat der Tau über Nacht die Kontakte oxidiert, aber egal dachte ich, dann fährst du eben ohne und verlässt dich auf dein Gefühl und Puls, was ja ganz gut geklappt hat. Ich hatte mir gleich zu Beginn zwei Radler herausgepickt, die etwa mein Leistungsniveau hatten und man ist dann erst mal nur am überholen, da die Amis zwar ganz gute Schwimmer sind, aber auf dem Rad geht bei denen gar nichts. Dafür fahren aber alle Cervelos mit Zipp-Laufräder und kriechen dann auch noch aufrecht sitzen dahin, echt übel. Wie auch immer, ich hatte schnell Fahrt aufgenommen und habe mich vorgearbeitet. Das Problem war dann nur irgendwann, dass wenn du eine Gruppe überholst, die sich einfach in deinen Windschatten hängen und mitziehen lassen. Sobald dein Tempo nachlässt, weil du ja im Wind fährst, wirst du mit 45km/h überholt, du musste dann 7m Abstand lassen, sodass dich dann nach und nach alle überholen, dann aber mit 35km/h vor dir her kriechen, d.h. sobald alle vorbei sind, beginnt man wieder die Gruppe zu überholen und so geht das dann ständig. Das Tempo wird dann zwar hoch gehalten, aber man fährt etwas unrhythmisch. Seis drum, Fakt ist, dass bei solchen Aktionen irgendwie immer der Windschatten des anderen genutzt wird, ob gewollt oder nicht, man müsste sich schon ganz zurückfallen lassen, aber wer macht das schon. Aber ich denke, Roth oder Frankfurt ist da eben auch nicht anders So kam es dann bei KM100 etwa, einer kleinen Wendepunktstrecke, die sehr eng ist, dass ich überholen wollte, aber nicht konnte, weil die vor mir nicht vom Fleck kamen, und ich einen penalty wegen Draftings bekam. Insgesamt geht der penalty in Ordnung, aber eben nicht an genau dieser Stelle. Na ja, etwas gefrustet bin ich dann weitergefahren und habe beim nächsten penalty tent meine 4min abgesessen, war aber dann beruhigt, dass sie noch weitere 5 rote Karten verteilt hatten, seltsamerweise waren wir alle Deutsche Ich versuchte eine klaren Kopf zu behalten und habe dann Gas gegeben, denn ich lag nach wie vor gut in der Zeit. Beim Rückweg wurde dann der Gegenwind stärker, vor allem die etwa 10km wieder zurück in Stadt waren echt übel, alleine gegen den Wind, aber kurz vor Ende habe ich einige wieder eingeholt, die eben kein penalty bekommen hatten. Am Ende bin ich auf der ca. 183km langen Strecke 4:47h gefahren, inklusive Zeitstrafe.
Nach 5:56 Stunden bin ich dann auf die Laufstrecke. Ich wusste, dass ich gut unterwegs war, war aber auch zu Recht der Meinung, dass es ein sehr schnelles Rennen ist, zumindest in meiner AK. Ich bin dann mal losgelaufen, habe noch mal einen Buller-Stop eingelegt und es dann laufen lassen J. Nach 3 Meilen habe ich es aufgegeben irgendwelche Meilen/KM-Schnitte auszurechnen und bin nach Gefühl und Puls gelaufen. Ich bin zwar anfangs noch von ein paar überholt worden, aber das war egal, so ein Marathon wird am Anfang entschieden, und zwar ob das Tempo passt und du durchkommst oder eben wegplatzt.
Die Laufstrecke ist absolut flach und verläuft zunächst noch durch Wohngebiete, später geht es dann in einen Park hinein. Der Wind spielt aber auch hier eine große Rolle, da der jeweilige Rückweg von Gegenwind geprägt war. Wendepunkt ist der Alligators Point im besagten Park. Ich versuchte mitzuzählen, an welcher AK-Position ich lag. Das ist halbwegs möglich, weil man dies anhand der aufsteigend zugeordneten Startnummern an den Oberarmen sieht; zudem wird das Alter auf die Waden geschrieben. Meiner Rechnung nach war ich 9. oder 10., also in Schlagdistanz. Ich überholte einen AK30er, freute mich, wurde aber gleich darauf selbst von einen überholt Na ja, den HM bin ich dann in 1:34h gelaufen, dann gings auf die zweite Runde. Da man kein Bändchen oder ähnliches bekam war es dann leider nicht mehr möglich die direkte Konkurrenz ausfindig zu machen. Aber ich dachte, locker bleiben, wenn du halbwegs das Tempo halten kannst, dann hast du eine 9:20h oder so, das hat bisher immer locker gereicht. Mit jeden Kilometer wurden die Beine schwerer, aber ich versuchte das Tempo zu halten. Am Abend zuvor noch las ich einen Artikel über Herbert Steffni, ein Marathonläuer aus den 80er; bei einem Rennen beschrieb er seinen Zustand bei KM38 etwa so (er war führend und der Zweitplatzierte dicht hinter ihm): der 2. Platz bringt auch 10.000$, das ist auch gut, dann könnte ich jetzt etwas lockerer mache... aber was tue ich hier eigentlich, ich will Weltspitze sein, also renn was das Zeug hält; dies hielt ich mir vor Augen, was tue ich da, ich habe ein Ziel, und das ist heute greifbar nahe, also beweg deinen Arsch!. Ich überholte auf der 2. Runde nur, wurde kein einziges Mal selbst überholt, und sammelte somit die Leute nach und nach ein, egal ob Erstrundler, Zweitrundler oder sogar Profis. Bei Meile 23 überholte ich noch die Nr. 462, meine AK, ich redete mir ein, wenn ich den packe, dann habe ich die Quali, dann war ich nach meiner Rechnung 6.; als ich vorbei zog meinte der Typ noch zu einem anderen Shit, its my agegroup, er konnte nicht gegenhalten, da wusste ich, jetzt bin ich auf Kurs, noch 3 Meilen und was passiert, Sekunden später bahnen sich Krämpfe in der rechten Wade und vor allem in den Oberschenkelrückseiten an, ich musste etwas rausnehmen, aber versuchte alles, das Tempo hoch zu halten, um genau diesen Typ nicht die Chance zu geben, wieder ranzukommen; es wäre noch schneller gegangen, aber wenn dann doch der Krampf kommt, ist alles vorbei...
Wie auch immer, ich hielt durch und ein für mich phänomenaler 3:11 Stunden-Marathon brachte mich nach 9:07h ins Ziel, 5. meiner AK, 42. gesamt, 12. aller Age-Grouper. Und selbst mit dieser Zeit war ich mir im Ziel noch unsicher, ob es reichen würde.
Mein Appartmentskollege kam etwas später ins Ziel. Als er seine Frau anrief, teilte sie mir mit, dass ich 5. bin und somit das Ticket für Hawaii gelöst hätte. Ich konnte es kaum fassen, ein sehr sentimentaler Moment für mich, endlich am Ziel meiner sportlichen Träume.

Aber solche Träume kann man nur wahr werden lassen, wenn man nicht nur an sich selbst glaubt, sondern wenn es Leute gibt, die dies tun und einem dies immer wieder sagen. Wenn man selbst zweifelt, kommen aufmunternde Worte du schaffst das!. Daher gilt allen ein großer Dank, die diesen Weg mit mir geschritten sind, ob bewusst oder unbewusst, ihr alle da draußen habt dies möglich gemacht. Und meinen größten Fan - Denise -, sie auch hat leiden müssen, während ich mich viel Abwesenheit geglänzt habe, Danke Denise, ich liebe dich! Wir fahren nach Hawaii!!!

Ich kann nur jeden empfehlen ein solches Rennen mit zu machen. Die Amis zelebrieren diese Rennen in einer unglaublichen Art und Weise; da wird die Nationalhymne gesungen, Showeinlagen, Promis sind anwesend und auf der Laufstrecke wird man angefeuert You do a good job, You look great, egal wie man drauf ist, und beim Zieleinlauf bekommt jeder den Satz Youre an Ironman! zu hören. Ganze Familien sind da dabei, der Vater ruft sofort jeden an, dass sein Sohnemann jetzt ein Ironman ist, egal ob er 12h oder 16h gebraucht hat, er hat gefinished. Man erfährt den Ironma-Spirit.