VfL-Triathleten zwischen Roth, Zürich und Hawaii

ROTH - Mit Thorsten Eckert, Michael Krell und Dorian Wagner hat das Triteam des VfL Nürnberg drei hoffnungsvolle Triathleten in den eigenen Reihen. Vor der Challenge Roth am 13. Juli berichten zwei Athleten und der Abteilungsleiter von einem Leben als profihafter Amateur.

Ob Triathlet Thorsten Eckert mit seinen 30 Lebensjahren im normalen Leben noch ein «junger Wilder» ist, sei einmal dahingestellt. In seiner Sportart, die bevorzugt schwer berufstätige Männer in der Midlife-Crisis entdecken, ist Eckert tatsächlich ein Jungspund. Zumal er bis vor drei Jahren gar nicht wusste, was Triathlon überhaupt ist. Durch die Überredungskunst eines Freundes ging aber alles rasend schnell: Erst der Kraulkurs, dann der erste Ironman, und 2007 schließlich NN-(Lokal-)Sportler des Jahres.

Robert Kellermann, Abteilungsleiter des VfL Triteam Nürnberg und mit 46 Jahren schon wieder ein Ausdauer-Routinier, ist stolz darauf, dass junge und leistungsorientierte Triathleten wie Eckert in den Verein eingetreten sind. Von ihm stammt auch der Satz mit den jungen Wilden. Typen, wie der 27-jährige Michael Krell, der am Sonntag versucht, sich beim Ironman Switzerland in Zürich für die Weltmeisterschaft auf Hawaii zu qualifizieren. Unter 9:30 Stunden wird er dafür bleiben müssen. Oder einer wie der erst 25-jährige Dorian Wagner, den man vom SC Roth loseisen konnte und der beim Rothsee-Triathlon hinter den Profis Thomas Hellriegel und Swen Sundberg Dritter über die Kurzdistanz wurde. Und nicht zuletzt Eckert, der bei der Challenge Roth erstmals die Neun-Stunden-Marke knacken will. Sein Ticket für Hawaii hat er bereits in der Tasche.

«Die Jungs ziehen sich im Moment gegenseitig», hat Kellermann, selbst Deutscher Meister über die Mitteldistanz, beobachtet. An Ehrgeiz und Disziplin mangelt es den jungen Wilden nicht. Krell nennt den Triathlon einen «Halbtagsjob». Eckert sagt, er habe im Training «konsequent und konzentriert gearbeitet». Umfänge von 20 Stunden pro Woche sind die Regel. Überhaupt verschwimmt im Leistungsbereich der beiden die Grenze zwischen Amateur- und Profistatus.

Auch Robert Kellermann errinnert kaum noch etwas an seinen ersten Triathlon 1994, als er noch mit einem «Stahlesel» auf die Radstrecke ging. Mittlerweile wird viel Geld in individuelle Trainingspläne, Leistungsdiagnostik und verbessertes Equipment investiert. «Am Ende kauft man sogar den viel zu teuren aerodynamischen Flaschenhalter, weil die anderen es eben auch tun», scherzt Michael Krell. Im Gegensatz zu vielen anderen Abteilungen hat das VfL-Triteam auch keinen Sponsor, der das exquisite Hobby co-finanziert. Und trotzdem ist die Abteilung mittlerweile annähernd so gut besetzt wie die langjährige Kaderschmiede des SC Roth.

Attraktives Schwimmtraining

Kellermann versucht, den Aufschwung zu erklären: «Vielleicht liegt es daran, dass wir viele Schwimmzeiten und mit Thomas Graf einen guten Schwimmtrainer haben.» Zum Vergleich: im Landkreis Roth ist die Trainingssituation im Winter seit Jahren angespannt. Roth verfügt über kein öffentliches Hallenbad ein Argument für den VfL und die Großstadt Nürnberg, in der auch Dorian Wagner mittlerweile wohnt. Er hat sich seine Premiere über die Langdistanz für 2009 aufgehoben. Dennoch stellen sich immerhin sechs Triathleten des VfL der Herausforderung des Rother Rennens. Thorsten Eckert liebäugelt mit dem Arndt-Team sogar mit dem Titel des Deutschen Mannschaftsmeisters. Es wäre ein Höhepunkt einer jungen, wilden Triathlon-Karriere. Christoph Dorner, NN