Vier Jahre nach dem Kraulkurs für Hawaii qualifiziert

Der Nürnberger Triathlet Thorsten Eckert trainiert bis zu 25 Stunden in der Woche - Ein Aufwand, der sich gelohnt hat

Vor dreieinhalb Jahren hat Thorsten Eckert (30) vom Tri-Team des VfL seinen ersten Langdistanz-Triathlon absolviert nach einem halben Jahr Vorbereitung. Und vor dreieinhalb Wochen hat er sich einen Traum erfüllt, der sich für viele andere Menschen erst einmal wie ein Alptraum anhört.

Panama City, Florida, 4. November 2007: In einem Zelt reicht Thorsten Eckert seine Kreditkarte über den Tresen. 500 Dollar werden abgebucht. Auf einen Schlag. Im Gegenzug erhält er dafür ein Zertifikat. Trotzdem verlässt er das Zelt mit einem breiten Grinsen. Das Zertifikat erlaubt ihm, an einem Sonntag im Oktober 2008 im Pazifischen Ozean 3,8 Kilometer zu schwimmen, 180 Kilometer durch öde Lavafelder Rad zu fahren und 42,195 Kilometer bei brütender Hitze zu laufen. "Dafür", sagt Thorsten Eckert, "hätte ich auch 1000 Dollar gezahlt."

Zum ersten Interview-Termin seiner kurzen Ironman-Karriere kommt Thorsten Eckert drei Wochen später mit dem Rad. Natürlich. Die Sonne scheint schließlich. Und das Grinsen scheint er ebenfalls über den Atlantik und den grauen fränkischen Herbst gerettet zu haben. Erst später merkt man, dass seine gute Laune nicht von Wetter oder jüngsten sportlichen Erfolgen abhängig ist. Eckert darf voller Begeisterung und leuchtenden Augen über Triathlon reden. Einen Sport, zu dem er vor vier Jahren gezwungen werden musste. Ein Studienkollege hatte ihn so lange "genervt", bis der Hobby-Fußballer, -Badminton- und -Squashspieler einen Kraulkurs begonnen hat. Einfach so. Ohne zuvor fasziniert in Roth am Solarer Berg gestanden zu sein oder eine jener pathetischen Reportagen aus Hawaii gesehen zu haben. Im März 2004 war er das erste Mal im Mallorca-Urlaub auf einem Rennrad gesessen. Vier Monate später hat er in Zürich dann seinen ersten Ironman absolviert im Nachhinein sein "zweitschönstes sportliches Erlebnis".

Das schönste Erlebnis folgte im Juli in Frankfurt. Unter zehn Stunden wollte der ambitionierte Hobby-Triathlet beim Ironman Europe bleiben. Als Eckert ins Ziel kam, zeigte die Anzeige 9:26 Stunden an. "Da habe ich mich hingesetzt und geheult." Die Präzisierung Hobby kann er sich seitdem sparen, sein wöchentlicher Trainingsaufwand von bis zu 25 Stunden hatte damit ohnehin nichts zu tun. Nur, weil es bislang noch nicht erwähnt wurde: Einen Beruf hat der Diplom-Wirtschafts-Informatiker auch. Und eine Ehefrau namens Denise, "die immer an erster Stelle steht".

In Hawaii wird sie im Herbst mit dabei sein, in Florida war sie es nicht. Trotzdem war Eckert da vor dem Start so ruhig und entspannt wie noch nie zuvor. Auch als er ihm "wunderbar klaren" Golf von Mexiko einen derart starken Schlag einstecken musste, dass ihm sogar das Pflaster von der Nase gerissen wurde, behielt er diese Ruhe, ebenso, als sein Tacho schlapp machte und als er später auf dem Rad eine vierminütige Strafzeit einlegen musste, weil er angeblich im Windschatten gefahren war. "Ich hatte nur positive Gedanken", erinnert er sich. Bei Kilometer 38 sahen die so aus: "Was tue ich hier? Ich habe ein Ziel, ich will nach Hawaii und das ist greifbar nahe, also lauf, was das Zeug hält." Neunter in seiner Altersklasse war er da, Sechster musste er werden, um sich für die WM zu qualifizieren. Als er drei Meilen vor dem Ziel einen von unzähligen Konkurrenten überholt, ruft der ihm nach: "Oh, shit, its my age group." Die letzten Kilometer läuft er wie in Trance, es sieht gelangweilt aus, wie er das Zielband über den Kopf zieht "den Einlauf habe ich gar nicht registriert".

So richtig wird es Eckert erst beim Anblick seiner Kreditkarten-Abrechnung begreifen. "Triathlon ist so teuer, so zeitaufwändig, aber es hat sich gelohnt. Ich werde den Mythos Hawaii erleben", sagt er ohne zu grinsen. SEBASTIAN BÖHM, NN