Wie Nürnberger den Quelle Challenge Roth erlebten

Schokoriegel und Gänsehaut

Die großen Sieger des diesjährigen Quelle Challenge Roth heißen Chris McCormack und Belinda Granger. Ihre Spitzenleistungen in allen drei Disziplinen ließen auch diesmal wieder die Zuschauer und die Konkurrenz staunen. Dennoch darf man auch die zahlreichen Breitensportler nicht vergessen, die sich ebenfalls wacker schlugen und für die der Triathlonsport nicht den Lebensinhalt darstellt. Sie sind der beste Beweis dafür, dass man auch ohne zahlungskräftige Sponsoren im Hintergrund und trotz eines 40-Stunden-Jobs sportliche Höchstleistungen erbringen kann. Die NZ hat bei den Athleten vom VfL Nürnberg und Post SV nachgefragt, wie der Wettkampf aus ihrer Sicht verlaufen ist.

Von Stephanie Händel
Nürnberger Zeitung, 05.07.2005

Als Valentin Himmelspach vom Post SV Nürnberg am Sonntagnachmittag im Ziel ankam, da konnte er erst einmal nicht viel sagen. Erschöpfung, aber auch große Erleichterung waren dem hochgewachsenen Franken ins Gesicht geschrieben. Es dauerte ein wenig, bis er realisiert hatte, dass er mit seiner Zeit von 9:29:56 Stunden die anvisierten zehn Stunden weit unterbieten konnte. Mit Gesamtplatz 65 war er damit auch der zweitbeste Nürnberger beim Challenge nach Thomas Leischner vom TSV Altenfurt, der in 8:52:36 Stunden ins Ziel kam.

„Ich bin erst mal super froh, dass ich es geschafft habe, überhaupt ins Ziel zu kommen“, freute sich der 36-Jährige nach seiner Ankunft. Zum zweiten Mal bestritt er den Challenge und war, wie schon im vergangenen Jahr, „fasziniert von der Atmosphäre und den Menschen am Streckenrand“.

Dass er allerdings im kommenden Jahr wieder teilnehmen wird, bezweifelt der Kfz-Mechaniker. „Immerhin ist die ganze Vorbereitung und das Training sehr zeitaufwändig“, erklärte er. Und er müsse als Ehemann und Vater auch an seine Familie denken. Reizen würde es ihn aber schon, noch mal mitzumachen: „Es ist wie eine Art Sucht. Du versuchst immer schneller und besser zu werden.“

Letzte Vorbereitungen für den Quelle Challenge: Gregor Klante vom VfL Nürnberg (rechts auf dem Bild) lässt noch einmal den Luftdruck seines Radreifens überprüfen. Foto: Fengler

Auch Gregor Klante vom VfL zieht es immer wieder auf die Langdistanz. Zum fünften Mal bereits startete der 48-Jährige in Roth. Mit seiner Gesamtzeit von 10:38:51 Stunden blieb er zwar zwei Minuten langsamer als noch im Vorjahr, doch die Enttäuschung darüber hielt sich in Grenzen: „Während des Rennens relativierst du deine Ziele ziemlich schnell, und irgendwann kommt der Punkt, an dem dir am wichtigsten ist, einfach nur anzukommen.“

Gregor Klante ist das beste Beispiel dafür, dass man es auch als „Späteinsteiger“ noch schaffen kann, tolle Leistungen zu erbringen. Erst nach seinem 30. Lebensjahr wagte sich der Krankengymnast daran, die Ausdauersportarten Schwimmen, Radfahren und Laufen in einem Wettkampf zu kombinieren.

Noch zwei Starts mehr als Gregor Klante hat dessen Teamkamerad Stefan Gunkler auf seinem Rother Triathlon-Konto stehen. Der 38-Jährige vom VfL TRITEAM Nürnberg kam am Sonntag mit neuer persönlicher Bestzeit von 10:24:06 Stunden ins Ziel. Sein Hauptproblem, das ihm noch im Vorjahr zu schaffen machte, dass er auf der Rad- und Marathonstrecke zu wenig gegessen hatte, quälte ihn in diesem Jahr nicht mehr. Da er die, wie er meint, „sehr trockenen und klebrigen“ Energieriegel nicht mag, hat sich der Nürnberger einfach drei große handelsübliche Schokoriegel eingepackt. „Die sind mir super bekommen“, erklärte der Softwareentwickler, der den Sport vor allem auch deshalb betreibt, damit „ich Essen kann, auf was ich Lust habe“.

Auch wenn jeder der Athleten, die sich am gestrigen „Tag danach“ allesamt eine Verschnaufpause gönnten, seine eigene Triathlongeschichte zu erzählen hat, so teilen sie zumindest alle die Überzeugung, dass „ein wenig verrückt zu sein und die Lust sich zu quälen“, einfach dazu gehört. Einig sind sie sich auch darin, dass der Quelle Challenge Roth ein spezielles Flair besitzt: „Der Zielleinlauf ist einfach was ganz Besonderes“, erklären die Nürnberger Sportler unisono. „Da jagts dir die Gänsehaut auf den Körper.“